
Finanzierung für MucosaTec bringt Influenza-Ansatz näher an Klinik
Das Saarbrücker Start-up MucosaTec hat 1,1 Mio. Euro Seed-Kapital eingeworben und sieht sich nach ersten präklinischen Daten für seinen Influenza-Ansatz auf Kurs. Bei einem Besuch informierte sich der saarländische Forschungs- und Finanzminister Jakob von Weizsäcker über die Entwicklung. Für den Abschluss der Präklinik werden allerdings weitere Millionen benötigt.
Die in Berlin und im Saarland ansässige MucosaTec kommt mit seinem Influenza-Programm in die nächste Entwicklungsphase. Das 2023 gegründete Start-up der FU Berlin hat im Sommer eine Seed-Finanzierung über 1,1 Mio. Euro abgeschlossen. Beteiligt sind der PharmaCampus Schiffweiler und Saarup-Venture. Darüber hinaus hat das saarländische Wirtschaftsministerium eine Förderung von mehr als 400.000 Euro zur Weiterentwicklung der patentgeschützten Plattformtechnologie in Aussicht gestellt.
Bei einem Besuch des Unternehmens informierte sich Forschungs- und Finanzminister Jakob von Weizsäcker über die Fortschritte. Der Termin war Teil einer Reihe von Besuchen bei innovativen Unternehmen und Start-ups im Saarland, mit denen die Landesregierung das regionale Gründungs- und Innovationsökosystem weiterentwickeln will.
Für MucosaTec sind inzwischen nicht nur Finanzierungsfortschritte zu vermelden. Eine von Prof. Jakob Trimpert an der Kansas State University in den USA durchgeführte Mausstudie zu Influenza zeigte nach Angaben des Unternehmens eine überzeugende Wirksamkeit von AntiFlu-001, insbesondere gegen den Subtyp H3N2. Bemerkenswert sei zudem gewesen, dass nach einer einmaligen Behandlung auch sieben Tage später noch eine Wirkung messbar war.
Virus im Schleim festhalten
AntiFlu-001 basiert auf einem patentgeschützten Tandemkomplex, der nach dem Prinzip eines doppelseitigen Klebebands funktioniert. Eine Seite des Moleküls bindet an den Mukus in den Atemwegen, die andere spezifisch an das Influenzavirus. Dadurch soll das Virus im Schleim gebunden und inaktiviert werden.
MucosaTec will daraus zwei Anwendungen entwickeln: ein Nasenspray zur Vorbeugung von Influenza-A-Infektionen sowie eine Inhalationslösung zur Behandlung bestehender Infektionen. Die Technologie soll dabei nicht nur gegen einen einzelnen Virusstamm wirken, sondern als anpassbare Plattform auch auf künftige virale Bedrohungen übertragbar sein.
Das Unternehmen gehört zu den Gewinnern der SPRIND-Challenge „Broad-Spectrum Antivirals“. Gegründet wurde MucosaTec von CEO Dr. Marius Hittinger, Dr. Anja Himmelstein und CSO Prof. Dr. Daniel Lauster.
Nächste Hürde: Toxikologie und GMP
Nach den nun vorliegenden Wirksamkeitsdaten stehen die nächsten Entwicklungsschritte an. Dazu gehören die toxikologische Prüfung sowie die Herstellung von AntiFlu-001 unter GMP-Bedingungen. Der am PharmaCampus Schiffweiler ansässige Auftragshersteller PSM arbeitet nach Unternehmensangaben bereits an ersten Optimierungen der Herstellung und soll die damit verbundenen CMC-Fragestellungen bearbeiten.
Dafür reicht die bisherige Finanzierung allerdings nicht aus. Bis zum Abschluss der Präklinik veranschlagt MucosaTec weitere rund 5 Mio. Euro. Eine entsprechende Investitionsmöglichkeit werde derzeit vorbereitet.
Parallel versucht das Start-up, sein Netzwerk auszubauen. MucosaTec ist inzwischen Mitglied bei InnoNet Health Economy und im Deep-Tech-Netzwerk SouthwestX. Geschäftsführer Hittinger sucht insbesondere weitere strategische Investoren und Entwicklungspartner. Das Hauptquartier hat die Firma mittlerweile in Schiffweiler im Saarland eingerichtet, die Labore für das Manafacturing befinden sich weiterhin in Berlin.
Die frühe Forschung aus dem Labor Lauster mit MucosaTec erhielt schon im Rahmen der Deutschen Biotechnologietage 2024 den Innovationspreis der BioRegionen. Nun ist das Start-up die nächsten Schritte vorangekommen. Der Ansatz von MucosaTec zielt auf zwei Ebenen: kurzfristig soll AntiFlu-001 als neues Medikament gegen Influenza entwickelt werden. Gleichzeitig soll die zugrunde liegende Plattform so weiterentwickelt werden, dass sie bei einer künftigen Pandemie schnell an neue virale Erreger angepasst werden kann.

Ethris GmbH
Minapharm/Probiogen
Fraunhofer IGB